“Like a RAWling stone”

Bilder, welche wir mit unserer Kamera oder unserem Smartphone erstellen, sind meist im JPEG-Format. Das ist ein gängiges komprimiertes Bildformat, welches von allen gängigen Geräten unterstützt wird. Daran gibt es nicht auszusetzen. Aber was ist, wenn ich mehr aus meinen Bildern herausholen mag? Kann ich das überhaupt? 🤔

Ich vergleiche JPEG-Bilder gerne mit einem Kuchen. Er ist fertig. Ein Bäcker hat ihn nach einer Rezeptur erstellt und gebacken. Er ist final. Ich mache aus einem Kuchen kein Brot mehr. Genauso verhält es sich mit Bildern. Die Farben sind einmal festgelegt worden und das Bild wurde geschärft und quasi gebacken. Ich kann vielleicht noch eine kleine Garnitur oder einen Zuckerguss drauf machen. Mehr aber auch nicht. Was also, wenn ich selbst etwas fotografisch backen mag? Wo bekomme ich meine Zutaten her?

Die meisten Kameras und Smartphones (meist durch eine Zusatzapp, wie Beispielsweise ProCamera unter iOS) bieten die Möglichkeit, neben fertigen Bildern so genannte “Rohbilder” zu erstellen. Hierbei werden die Bildinformationen direkt vom Sensor in eine Datei gespeichert und in keinster Weise weiter verarbeitet. Diese Dateien sind um ein vielfaches größer, da sie mehr Informationen beinhalten, als ein bereits verarbeitetes Bild. Ich bekomme hier also meine Butter, mein Mehl, meine Milch…

Diese Bilder liegen meist in einem kameraspezifischen unkomprimierten Format (Canon als CR2 oder CR3, Olympus als ORF etc), oder in einem von Adobe angebotenem offenem Dateiformat DNG (Digital Negative) vor. Diese Datei kann normalerweise so nicht angezeigt werden – es fehlt noch das Rezept, um dies zu können. Diese Bilder müssen, wie in der Analogfotografie üblich, auch noch erst entwickelt werden. Das Endergebnis aus diesem Prozess ist dann typischerweise wieder ein JPEG (oder anderes gängiges Bildformat), welches angezeigt werden kann – unser Kuchen, oder Brot, oder, was auch immer wir Backen.

Bildbearbeitung mache ich nicht

Als ich mit dem Fotografieren anfing war mir das Thema “Entwickeln von Bildern” noch gar nicht bewusst. Ich merkte nur, das meine Motive zwar passten, aber letztlich die Farben irgendwie ziemlich flach und fad waren. Das war der Punkt, wo ich merkte, das ich dies nur mit dem Entwickeln von Bildern so hin bekomme, wie ich es möchte. Bei meiner Recherche, wie ich hier am Besten vorgehen kann, stieß ich auf Fotografen auf Facebook, die eine Bearbeitung der Bilder ablehnen. Sie machen halt nur “Fotos”, denn das sei nur das Wahre.

Für mich ist dies allerdings auch der Punkt, wo ich sprachlich für mich unterscheide – ich mache keine Fotos, sondern ich mache meine Bilder. Dabei ist die Argumentation “der Puristen”, das sie ihre Bilder nicht bearbeiten auch nur zum Teil richtig: Ja, sie selbst bearbeiten ihre Bilder nicht, das macht die Kamera durch die eingebackenen Rezepte gerade für sie. Ich möchte da aber mehr Kontrolle haben, da ich meine, durch veränderte Farben Emotionen des Bildes verstärken zu können. Deswegen sage ich auch: Ich mache Bilder, aber keine Fotos.

Was die Puristen aber vergessen: Früher wurden die Bilder ebenfalls in der Dunkelkammer entwickelt. Schauen Sie sich einmal dieses Bild von James Dean an.

Hier sieht man die Arbeitsschritte vom Time Square Bild mit James Dean, und wie es von Pablo Inirio in der Dunkelkammer entwickelt wurde.
Quelle: https://petapixel.com/2013/09/12/marked-photographs-show-iconic-prints-edited-darkroom/

Punkt ist also: Jedes Bild ist auf die eine oder andere Art entwickelt. Ich rechne es mittlerweile so: Das Bild zu erstellen ist die halbe Arbeit. Danach erfolgt die zweite Hälfte der Arbeit am Rechner mit entsprechender Software. Dabei gibt es eine Menge an RAW-Entwicklern. Einen kleinen Überblick hierüber gibt es im nächsten Artikel. Wenn man also RAW Bilder entwickeln möchte, benötigt man hierzu eine Software. Welche es gibt , zeige ich im nächsten Artikel.

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